Privater Anbieter gewinnt Ausschreibung

Bayrisches Rotes Kreuz verliert Wiesn-Sanitätsdienst

Seit mehr als 100 Jahren versorgt der Kreisverband München des  Bayerischen Roten Kreuzes  (BRK) die Verletzten, Erkrankten und Alkoholopfer auf dem Münchner Oktoberfest. Dieser Tradition droht nun das jähe Ende. Aus Brüssel kam 2011 die Anweisung, dass der Sanitätswachdienst aufgrund des dafür veranschlagten finanziellen Rahmens ausgeschrieben werden muss. Für den Auschreibungszeitraum 2018 bis 2021 bewarb sich auch der private Anbieter Aicher Ambulanz Union. Das Unternehmen legte offenbar das günstigste Angebot vor und bekam so den Zuschlag.

Schon im Vorfeld zeigte sich Landesgeschäftsführer Leonhardt Stärk alarmiert: „Sollte das BRK gegen einen privaten Anbieter verlieren, ist das ein Schlag ins Gesicht für 180.000 Ehrenamtliche und ein Signal, dass unsere Arbeit der letzten Jahren nicht wertgeschätzt wird.“ Es wurde bezweifelt, dass Aicher Ambulanz das notwendige Personal für einen der umfangreichsten Sanitätswachdienste der Republik überhaupt stellen kann. Ein Einsatz von BRK-Kräften für den privaten Konkurrenten wird kategorisch ausgeschlossen.

Nach der Vergabe beginnt nun die Schlammschlacht zwischen BRK und Aicher. Das Rote Kreuz kündigt an, die Widerspruchsfrist gegen die Vergabe zu nutzen und den Rechtsweg zu beschreiten. „Es ist davon auszugehen, dass wir das anfechten„, sagt ein Sprecher am Donnerstag gegenüber der Tageszeitung AZ. In einer Mitteilung an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer wird indirekt dazu aufgefordert, nicht für die Aicher Ambulanz Union auf der Wiesn zu arbeiten. Beim Konkurrenten wird hingegen davon berichtet, dass das BRK Einfluss auf Lieferanten und Dienstleister nehmen würde und diesen androht, die Zusammenarbeit einzustellen, wenn diese Aufträge der Aicher Ambulanz annehmen würden. Seitens des BRK wird dieser Vorwurf bestritten.

Die sozialen Netzwerke reagieren teils wütend, teils aber auch sehr differenziert. Es sei ein Schlag ins Gesicht der 180.000 BRK-Ehrenamtlichen und ein maximaler Schaden für die Motivation im Ehrenamt. Die Stadt wird für Ihre Vergabepraxis deutlich kritisiert – aber auch das BRK muss sich Gegenwind aussetzen. So wird die Frage gestellt, wie ein privater Anbieter, der alle eingesetzten Kräfte bezahlen will, das günstigere Angebot abliefern kann, obwohl das BRK im Rahmen der Wiesn fast ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften arbeitet.

 

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