Feuerwehrchef schreibt Klartext

Ennepetal: Volles Rohr gegen Dummschwätzer

Frank Schacht ist Leiter der Feuerwehr Ennepetal in Nordrhein-Westfalen. Und man könnte sagen: Er hat die Nase voll. Gestrichen voll. Und das zu Recht: Seiner Wut lässt er auf Facebook erfrischend undiplomatisch und in klaren Worten freien Lauf. Schade nur, dass die, an die sein Brandbrief gerichtet ist, dessen Inhalt und Sinn nur schwerlich begreifen werden.

Wir dokumentieren den Facebook-Post an dieser Stelle ungekürzt:

In der vergangenen Nacht hat es gebrannt in Ennepetal. Ein Dachstuhl. Mal wieder. In Ennepetal brennen öfter mal leerstehende Gebäude oder Industriebrachen. Schlimm genug. In der letzten Zeit brennen öfter auch mal Keller in bewohnten Mehrfamilienhäusern. Schon weniger lustig. Es ist eine Frage der Zeit, bis einmal auch Menschen ernsthaft zu Schaden kommen; vielleicht auch sterben. Und ebenso ist es nur eine Fage der Zeit, bis einer meiner Kameradinnen oder Kameraden zu Schaden kommt. Spätestens jetzt wird deutlich: es ist kein Dumme-Jungen-Streich, es ist nicht lustig, es ist schlicht und einfach dumm, dämlich, bescheuert! Ich frage mich: was geht in so einem verdrehten Kopf vor?

Als Leiter einer Feuerwehr trage ich Verantwortung. Für die mir anvertrauten Mitarbeiter und Kameraden. Vor allem aber trage ich Verantwortung für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und für die Gäste meiner schönen Stadt. Und ich nehme diese Aufgabe sehr ernst. Sie bestimmt mein Leben. 24 x 7 x 365. Wir stellen den Brandschutz sicher, wir leisten technische Hilfe, WIR sind der Rettungsdienst. Wir retten, löschen, bergen, schützen. Riskieren unseren Arsch. Sind für viele zu langsam, zu laut, zu wichtigtuerisch. Verschwenden Steuergelder. Lassen uns manchmal beschimpfen, beleidigen, ja sogar bedrohen oder schlagen. Ist halt so. Ich habe gelernt: es ist ein „gesamtgesellschaftliches Problem“. Doch das ist mir zu einfach. Ich stelle unser Handeln schon immer kritisch in Frage. Lerne aus Fehlern und arbeite an meiner und unserer Professionalität.

Und ebenso verfolge ich die Medien, auch die sozialen. Und zweifle mehr und mehr am Intellekt und am Verstand meiner Mitmenschen. Die ersten beiden Beiträge bei Facebook kurz nach dem Auslösen der Sirenen waren die auf dem Screenshot. Ach ja, ein Video von der Einsatzstelle, auf dem hörbar gelacht wird, war auch bereits nach wenigen Minuten online. Sei’s drum. Wer meint, die Beiträge an sich sind schon primitiv genug, der sollte mal die über 100 Kommentare lesen. Da halte ich es mit Albert Einstein: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“.

Es wird vermutet, dass die Feuerwehr gerne mal richtig übt und deshalb…. Da stellen Experten fest, dass die Feuerwehr (die Deppen) so langsam löscht, das gleich auch die anderen Häuser brennen. Zitate gefällig: „Das nennt man Übung für die Feuerwehr. Quasi wie schnell sind wir am Brandherd, was können wir optimieren und trifft ja eh keinen Unschuldigen“ oder „Dafür wird man geweckt? Erstaunlich“ oder „ich hab besseres 😂😂 vorallem war ich bis vorhin am schlafen und mein Papa hat mich geweckt“ oder „Läuft da ne Feuerteufel Rum?“. Ok. Wie gesagt: davon gibt es über 100. Um nicht als Klugschwätzer in Erinnerung zu bleiben, lass ich mich mal nicht über Groß- und Kleinschreibung oder Rechtschreibung im allgemeinen aus. Oder schreibt man „im Allgemeinen“? Nicht so einfach. Ist ja auch egal. Es geht schließlich um Inhalte. Inhalte? Nun gut: finde ich auch keine.

Also, liebe besorgte Mitbürgerinnen und Mitbürger:

wenn ihr wissen wollt wie Feuerwehr funktioniert: werdet Mitglied!

wenn ihr nach der blöden Sirene eh nicht mehr schlafen könnt: werdet Mitglied! Die Deppen von der Feuerwehr können ja auch nicht mehr schlafen.

wenn ihr schon nach wenigen Minuten GENAU wissen wollt, was los ist: werdet Mitglied!

ach ja: wenn ihr gutes Deutsch lernen wollt: wir haben auch gute Lehrer in unserer Freiwilligen Feuerwehr 😉. Denn wir sind irgendwie so ein wenig auch ein Querschnitt der Bevölkerung.

Und noch etwas unterscheidet uns: wir reden nicht nur und wissen alles besser, wir handeln!
Und jetzt: Feuer frei. Ich bin wirklich gespannt auf Eure Kommentare.
Ich wünsche uns allen ein gesegnetes, ruhiges, einsatzarmes und schönes Weihnachtsfest im Kreise unserer Liebsten. Auf ein friedvolles und harmonisches Jahr 2018.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Glück auf!
Frank Schacht, Leiter der Feuerwehr

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